The Coolest Cat Is in Town: Thundercat in Köln

Im Rahmen seiner aktuellen EU/UK-Tour machte Thundercat Halt in der Live Music Hall in Ehrenfeld. Für den Musiker hat die Stadt eine besondere Bedeutung: Köln war damals die erste Stadt, die er je besucht hat.

Thundercat – bürgerlich Stephen Bruner – zählt zu den wichtigsten Bassisten des 21. Jahrhunderts. Sein Instrument ist ein sechssaitiger Bass, mit dem er das Klangspektrum des klassischen Basses deutlich erweitert. Die zusätzlichen Saiten erlauben es ihm, neben Basslinien auch Akkorde und Melodien zu spielen – fast so, als würden gleichzeitig Gitarre und Klavier erklingen.

Auf der Bühne stand er mit einer bewusst reduzierten Besetzung: nur Schlagzeuger Justin Brown und Keyboarder Dennis Hamm begleiteten ihn. Trotz – oder gerade wegen – dieser minimalistischen Besetzung entwickelte das Trio einen beeindruckend dichten Sound. Die Band wirkte extrem eingespielt und nutzte viele Songs als Ausgangspunkt für längere instrumentale Passagen. Immer wieder wurden Stücke mitten im Song aufgebrochen: Der Groove stoppte kurz, dann übernahmen Bass, Keys und Schlagzeug das Kommando und entwickelten daraus improvisierte Jams, bevor der eigentliche Song wieder aufgenommen wurde. Auch insgesamt klangen viele Songs live etwas anders als auf den Studioaufnahmen – mit neuen Grooves, längeren Bridges und spontanen musikalischen Ideen.

Musikalisch bewegt sich Thundercat ohnehin zwischen mehreren Welten. Sein Sound ist ein virtuoser Mix aus Jazz, Funk, Hip-Hop und R&B. Viele kennen ihn auch aus anderen Produktionen: Unter anderem prägte er den Sound von To Pimp a Butterfly von Kendrick Lamar entscheidend mit.

In Köln spielte er eine Mischung aus bekannten Songs und neuem Material. Klassiker wie „Them Changes“ und „Dragonball Durag“ durften natürlich nicht fehlen. Gleichzeitig gab es einen Ausblick auf kommende Musik – etwa mit „No More Lies“, seiner Zusammenarbeit mit Tame Impala. Auch bislang unveröffentlichte Songs waren zu hören, die von seinem fünften Studioalbum stammen: „Distracted“, das am 3. April erscheinen wird.

Als Support sorgte zuvor das DJ-Duo Ginger Shots für die passende Einstimmung auf den Abend.

Zur Zugabe spielte Thundercat schließlich „She Knows Too Much“, einen funkigen Song, der gemeinsam mit Mac Miller entstanden ist und auch auf seinem kommenden Album erscheinen wird. Für viele im Publikum war das einfach ein cooler Moment – nicht zuletzt, weil es immer wieder besonders ist, Songs aus der gemeinsamen Zeit mit Mac Miller live zu hören.

Das Besondere an diesem Konzert: Man konnte einem echten Virtuosen bei der Arbeit zusehen. In einer Zeit, in der Live-Instrumente in der Popmusik immer seltener im Mittelpunkt stehen, wirkt ein Musiker wie Thundercat fast schon wie eine Ausnahmeerscheinung. Dass er bereits zwei Grammys gewonnen hat, passt da nur ins Bild.

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